Wahlspott für die FDP

glow Geschäftsführer Johannes Krempl erklärt, warum der Spot der FDP an der Aufmerksamkeitshürde scheitert.

Eigentlich hätte es ein Home-Run sein müssen. Der Gegner verkündet, die Steuern erhöhen zu wollen. Als Partei der niedrigen Steuern eine Art unfreiwillige Parteispende von SPD und Grünen. Wie konnte die FDP trotzdem so historisch scheitern? Nach der Wahlschlappe werden jetzt die Schuldigen gesucht. Rösler und Brüderle haben sich selbst angezeigt und eliminiert – sogar ihre Facebook Seiten haben sie gelöscht. Aber während mehr als 500 Abgeordnete und Angestellte in Berlin ihre sicher geglaubten Jobs räumen, geht die Suche weiter: wer oder was war außer der Parteispitze noch schuld? War es die Zweitstimmenkampagne? Das falsche Wahl-Programm? Die fehlenden Inhalte? Alles zusammen?

Nichts von dem ist wahr. Der Schuldige ist 1.31 Minuten lang, voller Plattitüden, Peinlichkeiten und elementaren Kommunikationsfehlern.

Der Wahlwerbespot der FDP ist schuld.

Hier haben alle Wahlkampfstrategen, hier haben die Konzepter, der Creative Director und der Regisseur komplett verfehlt, einen einzigen Grund für die FDP herauszuarbeiten und über die Aufmerksamkeitshürde zu hieven. Ein Zeichen für die katastrophale Kommunikationsleistung ist die Verwendung des gleichen Filmschnippsels wie im Wahlwerbefilm der NPD. Ausgerechnet! Was für ein PR Supergau. Aber dieser „Zufall“ ist nur Ausdruck für die massiven Fehler bei diesem für die Partei unglaublich wichtigen Film, der dutzendmal im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Hier die 5 größten Fehler des FDP Wahlwerbespots:

  1. Null Emotion: Der Spot hat nicht einen Funken echte Emotion, weil er keinen Funken Echtheit hat. Er spult das austauschbare Footage aus Bilddatenbanken ab, das uns schon im Werbefernsehen kalt lässt und bringt nicht den Hauch einer neuen Idee dazu.
  2. Falsches Bild: Brüderle lässt sich als behäbiger Gast eines Cafes bedienen – anstatt zu dienen. Das wiederspricht dem Text im Film, der davon handelt, wie er sich aktiv um den Mittelstand kümmern möchte. Brüderle interagiert nicht, wirkt passiv – das Gegenteil von jemand, der anpackt.
  3. Vorbeigetextet: Die Sprachbilder, die Brüderle verwendet sind längst abgelaufen. „Die Butter vom Brot nehmen“, ist altbacken und erreicht heute keinen Menschen mehr.
  4. Überdiffamierung: Indem Brüderle seine Gegner zu „Rot-Rot-Grün“ zusammenwirft und wie ein Mantra ständig wiederholt, trifft er sie gar nicht mehr. Das Gespenst, das er beschören will, geistert verwirrt durch den Spot. Es gab keinerlei Anzeichen im gesamten Wahlkampf, dass es bei der SPD zu einer Annäherung an die Linken kommen könnte.
  5. Totaler Overpromise-Overkill: „Der Mittelstand wird entlastet, der Soli wird abgeschafft, Löhne und Renten steigen, der Euro bleibt sicher, was privat ist, bleibt privat“. Hier wird alles im Infinitiv verkündet – so als gäbe es keinen Koalitionspartner, keine Gegenstimmen, keine unbezwingbaren Mächte wie Google und die NSA. Außerdem wird in den Sekunden so viel eigentlich Bedeutungsvolles zusammengeworfen, dass alles komplett bedeutungslos wird. Der Betrachter kann sich an nichts mehr erinnern. Zumal alles nur mit austauschbarem Bilddatenbankmaterial illustriert wird.

Am besten war der Wahlfilm der SPD. Die Idee, den Bürger ans Pult zu stellen, ist gut und tragfähig. Eigentlich hätte dieses Konzept mehr Stimmen verdient. Der CDU Spot braucht keine Idee – er hat ja Merkel. Wie politische Kommunikation auch funktionieren kann, zeigt der Spot für die Familienunternehmer. Sachbezogen, argumentativ, mit merkfähigen Bildern und eingängigen Vergleichen. Hier wird die Aufmerksamkeit des Betrachters geführt durch den rollenden Euro und die Botschaft ins Ziel gebracht.

Jetzt liegt der Ball in den Händen von Christian Lindner. Bei all dem Stress und all der Häme, die die FDP im Moment abbekommt, kann man doch eins auch mal positiv sehen: mit der Wahlwerbung der FDP kann es nur noch aufwärts gehen. Und dann  auch mit den Stimmen.

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